Lasst uns doch bitte schon mal vorgehen

Dieser Text ist Febrauar 2012 im Vorfeld der letzten größeren Diskussion um Namentliche Abstimmungen im Berliner LiquidFeedback und wollte eigentlich eine Rede auf der lmvb12.1 werden. Da die Diskussion immer noch am selben Punkt feststeckt, passt auch der Text immer noch wie Arsch auf Eimer..

Wir können uns das ganze Gesülze von den flachen Hierarchien, der basisdemokratischen Partei und der Bürgerbeteiligung so lange in die Haare schmieren, so lange wir nur (mit)reden statt (mit) zu bestimmen. Mitbestimmung findet erst dann statt, wenn meine persönliche Entscheidung – zum Beispiel in einer LF Abstimmung – direkt & verbindlich in politische Entscheidungen mündet und somit Einfluss auf das Leben anderer Menschen, das Universum und den ganzen Rest hat.
Blöderweise haben die meisten Entscheidungen auch negative Folgen. Und wer trägt jetzt die Verantwortung für die negativen Folgen dieser Entscheidung? Wer ist schuld? Die (Mit)Bestimmer. Scheisse, das bin ja jetzt auch ich. Wenn ich zum Beispiel mit meiner Stimme selbt oder per Delegation in einem Bundes-Bürger-LiquidFeedback (mit)bestimme wo denn das dringend benötigte atomare Endlager hin soll dann bin ich für die Folgen dieser Entscheidung (mit)verantwortlich. Die gesundheitlichen, die monetären, die ökolögischen Folgen und überhaupt. Aktuell ist das noch anders, da tragen die Abgeordneten im Bundestag die Verantwortung für eine solche Entscheidung, die kann ihnen aber egal sein, weil alle negativen Folgen ihres Handelns ja eh vom Bürger ausgebadet werden, gesundheitlich monetär, ökolöogisch und überhaupt.
Die positiven Folgen werden privatisiert – aber das ist ne andere Baustelle.
Back to Mitbestimmung: Die Idee der Mitbestimmung ist bei PIRATEN’s wie auch unter den Bürgern sehr beliebt. Das Motto lautet: Wenn ich schon die Folgen von Entscheidungen ausbaden muss, dann möchte ich (mit)entscheiden und wenns nur ist, um die Folgen für mich so gering wie möglich zu halten. Okay. Hab ich also abgestimmt dass das Endlager in Nachbars Garten gebaut wird und nicht in meinen.  Aber was ist mit der Verantwortung für die Folgen meiner Entscheidung. Ganz einfach. Ich muss sie tragen. Ich muss darauf klarkommen, dass mein Nachbar stinksauer ist.
Es gibt keine Macht ohne Verantwortung. Das ist der Preis. Wenn ich nicht bereit bin den zu zahlen. Auch gut. Dann beteilige ich mich nicht an der Abstimmung – dann landet das Endlager mglicherweise in meinem Garten, aber da kann ich ja nix für. Ganz einfach.

Was mich an der ganzen Anonymisierungs- & Pseudonymisierungs- & namentliche Abstimmung ja, ABER mein Name darf nicht im Internet stehen sondern muss mit Geheimtinte auf Zettel geschrieben und in zwei getrennten Tresoren auf Alpha Zentauri aufbewahrt werden Diskussion so unglaublich aufregt ist NICHT, dass Menschen nicht bereit sind die Verantwortung für ihre Entscheidungen zu übernehmen, dass sie nicht bereit sind jederzeit vor jedermann – insbesondere vor dem armen Nachbarn mit den Endlager – zu ihrer Entscheidung zu stehen. Dass sie nicht bereit sind ihren Job, ihren guten Ruf oder ihre Erbschaft für Ihre Überzeugung zu riskieren.

Das regt mich NICHT auf. Das ist normal, menschlich und völlig okay.
Was mich so unglaublich wütend macht ist, dass diese Menschen unfassbar viel Energie darauf verwenden, jene die bereit sind diese Verantwortung zu tragen, daran zu hindern.
Warum? Was ist das Problem? Warum freut ihr euch nicht einfach, dass wir so blöd sind, freiwillig die Versuchskaninchen zu spielen und den ganzen Scheiss mit den neuen Formen der Demokratie wenigstens ausprobieren wollen.  Warum wollt ihr uns ständig eure wundersamen Wahlcomputer und Zettelwirtschaften verhökern von denen ihr wisst, dass sie nicht funktionieren. Ich will Politik mit Menschen machen die bereit sind Verantwortung zu übernehmen.
Und noch so ne beliebte Phrase: Wir müssen alle mitnehmen. Neee, müssen wir nicht. Hätten die Menschen mit den krassen Ideen das bisher getan …. Boah, Höhlenmalerei ich sag euch.   Wir müssen nicht alle mitnehmen, schon gar nicht die, die sich mit aller Kraft dagegen wehren. Wir müssen den Weg den wir gehen gut ausleuchten, die Verbindung zu den Zweifelnden halten und ich freue mich über alle, die nachkommen.    Bis dahin seid bitte so nett und lasst uns schon mal vorgehen. Ihr könnt jederzeit nachkommen. Und wenn ihr festellen solltet, dass unser Weg nicht der eure ist, dann geht halt nen Anderen. Partei kommt von parteiisch.