Erstens kommt es Anders. Zweitens als man denkt.

Vor einer Woche habe ich hier einen Spendenaufruf veröffentlicht. Das Ergebnis hat mich überrascht und nachhaltig beeindruckt. Bis heute sind auf meinem Konto 29 Überweisungen mit einem Gesamtwert von 1803 € eingegangen. Weitere 200 € sind für morgen angekündigt. Macht zusammen 2003 € Krass. Vielen, vielen Dank. Insbesondere für euer Vertrauen darin, dass ich mir mit der Kohle nicht einfach einen netten Urlaub finanziere. Dieser Dank gilt ganz besonders den 5 Menschen, deren Namen ich beim besten Willen niemandem zuordnen kann. Fremde. Die mir ihr Geld anvertrauen.

Ich werde jetzt nicht die ganze Geschichte der letzten Woche erzählen.
Nur so viel:
Es ist nicht so einfach wie ich dachte an die Telefonnummer oder Emailadresse eine*r Ansprechpartner*in in der lokalen Filiale des gelb-blauen Möbelhauses zu kommen. Wenn man’s dann geschafft hat ist es umso einfacher.
Vielen Dank an die Frau die weiß, dass sie gemeint ist für die unkomplizierte Zusammenarbeit.

Es fühlt sich auch nicht toll an, wenn man wegen einer organisatorischen Rückfrage von einem Mitarbeiter des LaGeSo am Telefon behandelt wird als wäre man die größte Nervensäge des Universums. Dieses untolle Gefühl wandelte sich binnen 5 Minuten in eine Mischung aus Verständnis und Scham. Diese 5 Minuten brauchte ich um zu realisieren, dass mein Anruf offensichtlich genau auf den Zeitpunkt fiel an dem die Nachricht kam, dass 2 weitere Züge mit Geflüchteten nach Berlin unterwegs sind. Wäre ich an seiner Stelle gewesen, ich hätte auch andere Prioritäten gehabt. Seine.
Vielen Dank an die Ehrenamtskoordinator*innen beim LaGeSo. Auch und insbesondere für Ihre Entschuldigung.

Als ein Mensch die es gewohnt ist, dass Emails – zumindest wenn sie eine Frage beinhalten – binnen Minuten beantwortet werden war ich zunächst irritiert, dass meine Anfrage an die, auf dem Blog der Helfer*innen angegebene Emiladresse nicht umgehend beantwortet wurde. Die Antwort erreichte mich erst am nächsten morgen. Gesendet um 00:08 Uhr.
Vielen, vielen Dank an all die Helfer*innen vor Ort die sich seit Wochen unentgeltlich den A**** aufreißen und nach Mitternacht noch die Zeit finden Emails von überperfektionistischen Spendensammlerinnen zu beantworten.

Ich wollte eigentlich nicht die ganze Geschichte erzählen. Das war nicht die ganze Geschichte. Das war nur die Herleitung für mein persönliches Fazit:

Immer wenn dein Ego dir sagt, dass dein Gegenüber undankbar, unkoordiniert oder unaufmerksam ist: Wechsle die Perspektive. Sieh die Situation mit den Augen des Anderen. Überdenke die Prioritäten, check deine Privilegien und komm runter.

So. Jetzt zum praktischen Teil: Shopping.
Nachdem ich den, im Laufe des letzten Freitags eingegangenen Betrag in insgesamt 200 8er Steckerleisten „investiert“ habe, traf ich am Montag, nach Rücksprache mit dem Ehrenamtskoordinator der Unterkunft in der Schmidt-Knobelsdorff-Kaserne eine Entscheidung. 200 Steckerleisten müssen erst mal reichen.
Es fehlte an Wichtigerem. Was wichtig war, stand auf der Bedarfsliste.

Und das ist das vorläufige Ergebnis meiner Einkäufe:
200 Steckerleisten (wie oben erwähnt)
141 Kinderunterhosen
90 Damenunterhosen
20 Damenjogginghosen
87 Herrenunterhosen
10 Fußbälle
28 Haarbürsten
20 Nagelknipser
20 Tuben Reisewaschmittel
10 Flaschen Flüssigseife
30 Packungen Einweghandtücher
24 Flaschen Bodylotion

Die bisweilen absurden Stückzahlen entsprechen entweder den in der Bedarfsliste angegebenen Mengen, oder sind maximalen Bestellmengen bzw. Lagerbeständen in den entsprechenden Onlineshops geschuldet. Die letzte Lieferung wird morgen vor Ort eintreffen. Sie hat einen kleinen Umweg über meine Privatadresse gemacht. Ich hab vergessen die abweichende Lieferanschrift einzugeben.

Wenn die für morgen avisierten 200 € auf meinem Konto eintreffen, werden von den 2003 € noch 557,96 € übrig sein. Mein momentaner Plan ist, diesen Betrag für Still-BH’s und Babybedarf auszugeben. Oder für Rucksäcke. Oder für Socken. Oder für Unterwäsche. Das hängt davon ab was morgen in der Bedarfsliste steht.

Ich schreibe ein Update sobald es Neuigkeiten gibt.

Für mich ist DIESE Aktion damit erfolgreich beendet. Bitte überweist kein Geld mehr. Stattdessen bitte ich euch -falls ihr mal wieder ein paar Euros übrig habt- spendet an eine Hilfsorganisation oder Initiative eurer Wahl. Oder guckt in die Bedarfslisten der Unterkünfte und kauft die Dinge die gebraucht werden.
Die aktuellen Bedarfslisten sowie Infos zu allen Unterkünften findet ihr hier:

Netzwerkflüchlingeberlin

Eine Bitte an die Organisator*innen vor Ort habe ich auch noch:
Schreibt eure Lieferanschriften auf die Seiten auf denen ihr die Bedarfe veröffentlicht. Nicht alle Menschen haben Autos oder die Zeit vorbei zukommen. Aber Onlineshopping können die meisten. Onlineshopping gewinnt.

Dankeschön. Allen Geldgebern, Verantwortlichen, Koordinator*innen und vor allem den Helfer*innen vor Ort.

UPDATE

Nachdem ich heute (nach Rücksprache mit der Hüterin der Kleiderkammer vor Ort) insgesamt 60 Still-BH’s in allerlei Größen gekauft habe ist das Konto leer. Damit ist diese Aktion – wie ich finde – erfolgreich beendet. Bis zum nächsten mal.